Die Geschichte des Tabaks

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Der Tabak war in der Alten Welt vor der Entdeckung Amerikas unbekannt. Die erste Erwähnung des Tabaks verdanken wir Christoph Kolumbus. In seinem, am 15.Oktober 1492 geschriebenen ersten Brief, teilte der Admiral mit, dass er in einem Einbaum einen Mann gesehen habe, der eine Flasche Wasser, ein Stücklein Brot, etwas gepulverte Erde und einige trockene Blätter bei sich hatte. Die Indianer nannten das Kraut „cohobba“ oder auch „cogioba“. Sie rauchten das Kraut zu kleinen Rollen gedreht, die sie „tabacos“ nannten. In Nordamerika wurde der Tabak nur aus Pfeifen geraucht. Die Friedenspfeife, das „Kalumet“, hatte dort die größte Bedeutung.

Der Tabak ist, so wird vermutet, in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts nach Europa gekommen und verbreitete sich von Spanien über Portugal in ganz Europa. Zuerst richtete sich das Hauptinteresse auf die medizinischen Eigenschaften dieser Pflanze. Die medizinische Bedeutung des Tabaks förderte seine allgemeine Verbreitung. Der französische Gesandte am portugiesischen Hof, Jean Nicot de Villemain, dessen Name noch heute in der Bezeichnung „Nicotiana“ und „Nicotin“ weiterlebt, erkannte die Heilwirkung des Tabaks sehr bald. Er erzielte sehr gute Erfolge bei der Behandlung
von bösartigen Geschwüren, Flechten, Krätze usw.

Der Tabak ist in der ersten Zeit nach seinem Bekanntwerden zunächst als Ziergewächs und Heilpflanze und erst sehr viel später zum Rauchen verwendet worden. Der erste Bericht über Rauchrollen stammt aus dem Jahre 1570, in dem beschrieben wird, dass aus Amerika zurückgekehrte Seeleute, kleine Trichter aus Palmblättern oder Stroh gefertigt im Munde halten, an deren Ende zusammengerollte, zerschnittene und getrocknete Tabakblätter hineingesteckt sind.

Am 27. Juli 1586 versetzten englische Kolonisten, die Francis Drake, aus Virginien in die Heimat zurückführte, ihre Landsleute in Verwunderung, als sie ihnen das Tabakrauchen aus Pfeifen vormachten. Nach kurzer Zeit hatte sich der Tabak in England durchgesetzt, was zum Teil dem englischen Seefahrer Raleigh zu verdanken ist. Er rauchte noch am Tage seiner Hinrichtung im Tower am 29. Oktober 1618 seine Pfeife, bevor er das Blutgerüst bestieg.

In Deutschland wurden die ersten Raucher im Jahre 1587 in Aachen, dann 1620 gesehen, als englische Hilfstruppen durch Sachsen marschierten. Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges war das Rauchen so verbreitet, dass kirchliche und weltliche Regierungen nach dem Westfälischen Frieden, der neuen Sitte durch Verbote und Strafen Einhalt zu gebieten suchten. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war die Einstellung gegen das Tabakrauchen allgemein so negativ, dass sogar in den Kirchen dagegen gepredigt wurde. Ein Kanzelredner wetterte gegen seine schwarzen Schäfchen mit den Worten: “Sie saufen, sie fressen, sie huren, sie buben – ja, sie rauchen sogar Tabak.“

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts wird die Tabakpfeife immer mehr durch die Zigarre ersetzt. Der erste Europäer, der in Havanna die Zigarrenherstellung lernte, war Demetrio Pela.

Die erste fabrikationsmäßige Herstellung von Zigarren wird auch in Kuba erfolgt sein. Von dort gelangte die Technik nach Spanien, wo die Tabakfabrik Sevilla um 1720 Zigarren herstellte.

Hatte seit Ende des 18. Jahrhunderts die Zigarre der Pfeife das Feld streitig gemacht, so entstand der Zigarre wiederum vor und nach dem ersten Weltkrieg durch die Zigarette heftige Konkurrenz. Um 1812 nahm ein Hamburger Kaufmann die Fabrikation von Cigaritos aus schwarzem Tabak auf, der mit Maisstroh umwickelt wurde. Im Jahre 1862 wurde die erste gewinnbringende Zigarettenfabrik von dem Fabrikanten Josef Hupmann in Dresden gegründet.

Auf größeren Flächen wurde Tabak in Deutschland erstmalig 1620 bei Straßburg angebaut. Einen großen Aufschwung im deutschen Tabakanbau brachten die aus Frankreich und aus der Pfalz flüchtenden Protestanten. Die Hugenotten z.B. begründeten den Tabakanbau in der Uckermark.